Zum Schluss

Respekt, Dank und Schlussfolgerung

Respekt ist immer wichtig

Ich habe durch meine private Situation viel gelernt. Mit Anfang 20 lernte ich meinen späteren Mann kennen. Er hatte schwere Folgen einer Kinderlähmung, konnte nicht laufen und saß deswegen im Rollstuhl. Wir haben es gewagt, trotzdem zu heiraten und Kinder zu haben. Was ich sagen möchte, ist Folgendes: Wir durften zusammen lernen, aus den gesunden »Resten« etwas Gutes zu gewinnen.

Den Heimbewohnern gegenüber habe ich mir im Laufe der Jahre angewöhnt, sie genauso zu behandeln, wie ich es mit meinem Mann lernen durfte: ich habe das Gesunde angesprochen, also voller Achtung, Respekt und niemals von oben herab. Sicher half mir meine Erfahrung in der Ehe mit meinem polio-gelähmten Mann. Wir hatten zusammen versucht zu malen — einfach mit Tusche, nachdem er gesagt hatte: „Ich kann das nicht." Ich versuchte, ihn zu ermutigen, einfach mal zu üben. Ihm ging es wie mir in der Schulzeit, wie ich es oben beschrieben habe; ihm fehlten einfach die Erfolgserlebnisse.

Durch die Übungen, die er dann wagte, ergaben sich vorzeigbare Ergebnisse. So geht es uns heute mit den Bewohnern im Heim, die sagen: „Ich kann nicht malen." — Wir ermutigen nun unsere Maler, so wie ich es damals mit meinem Mann gelernt hatte, das Malen trotzdem zu probieren.

Tipps für das Malen mit sehbehinderten und kranken Menschen

Wir haben hier im Heim auch etliche sehbehinderte Leute, die sagen nun noch mehr: „Das kann ich nicht." Das fordert mich heraus, sie zu bitten, es trotzdem zu versuchen. Und zwar haben wir dann mit kräftiger, dicker Farbe und größeren Formen gearbeitet, mit schönen Erfolgen.

Eine unserer Malerinnen war sehr schwach und konnte nicht aus dem Bett aufstehen. So brachte ich ihr eine große Plastiktüte zum Schutz für das Bettzeug, dann bekam sie von mir Malpapier und Ölkreiden. Sie malte gern die Motive von Kunstkarten ab, das wurde sehr schön. Wir haben später Postkarten davon gedruckt:



Voraussetzungen und Anschaffungen

Voraussetzungen für ein Malangebot sind: Ein Stück "Motivationsarbeit" muss ganz zu Beginn schon sein. Wenn 4 oder 5 Menschen malen möchten, ist ein hilfsbereiter Mensch genug. Bei 10 oder 12 Malern genügen etwa zwei oder drei Helfer, die den Menschen mit Sachkenntnis behilflich sind (Fachkräfte sind m. E. nicht erforderlich). Und wenn es personaltechnisch geht, sollten zusätzlich ein oder zwei Menschen die malwilligen Rollstuhlfahrer oder Hilfsbedürftigen an den Malplatz und wieder zurück bringen. Das ist eine Erleichterung.

Ideal sind ein geschützter Raum (am besten mit einem Schrank für Tuschkästen etc.); ein Tisch (für mehr als 8 Menschen ein hinreichend großer Tisch oder mehrere kleine Tische); eine Wachstuchdecke für jeden Tisch (um die Tische zu schonen); Malpapier (es genügen 160 g / m2); Haar- und Borstenpinsel; hinreichend viele Deckfarbenkästen; Bleistifte (zum Zeichnen oder zum Vorzeichnen); Buntstifte; größere Pappe- oder Papierunterlagen, um ein "Übermalen" zu verhindern. Zu den Anschaffungen kann man auch hier schauen.

Ich finde, es braucht einen Menschen, der Liebe zu dieser Arbeit und Liebe zu alten oder behinderten Menschen hat.


Schlussfolgerung

Dass ich die Bewohner ein wenig glücklicher sehen möchte, habe ich schon erwähnt; ihnen den Alltag etwas aufzulockern, ist mein Ziel. Dabei fällt auch für mich immer wieder ein Stück Freude ab. Nach den Erlebnissen in diesen vergangenen Jahren ist nach meiner Ansicht das Wichtigste das gewachsene Selbstbewusstsein der Teilnehmer. Wenn sie dann vor ihren Bildern sitzen und staunen, dass sie es gemalt haben, dann merken wir, wie gut ihnen diese Arbeit tut.

Mein erster Gedanke ist nun: Es sollte nicht verloren gehen, was hier Gutes gewachsen ist, und es sollte für andere Menschen vielleicht verwertbar sein.

Mein Wunsch ist: Bitte denken Sie darüber nach, lieber Leser, auch einmal ehrenamtlich tätig zu werden. Fast jeder Mensch ist dazu in der Lage.


Dank

Wir danken dem ehemaligen Einrichtungsleiter von ProSenis GmbH, Herrn Rolfes, seiner Nachfolgerin Frau Kampen und dem Sozialarbeiter Herrn Bansemeier für ihre nicht unerhebliche — auch finanzielle — Mithilfe.

Ich danke meinen Mitarbeiterinnen Ingelore Neu und Insa Wiersma für ihre langjährige Unterstützung. Mein Sohn Stefan hat diese Webseite gestaltet, und meine Tochter Anne Bartel, Bochum, hat sie korrigiert. Beiden gilt mein besonderer Dank.


Nun ist mittlerweile 2019 und ich habe mit der schönen Arbeit aus Altersgründen aufgehört; doch die Malgruppe wird gut weiter begleitet. Mit ein bisschen Wehmut schaue ich zurück. Es war eine sehr schöne Zeit mit "meinen" Malern! Ich danke Euch für Eure Mitarbeit! - Eure Elisabeth Siegmund-Schultze. (Siehe auch den aktuellen Blogeintrag!)

Ein Video auch zum Thema "Abschied aus der Malstunde":

Ende



Linktipp



Galerie

Die drei Bilder hier: eine Nass-in-Nass-Malerei mit besonders leuchtenden Aquarellfarben von Frau Krenkel:

Das vierte Bild hier ist auch von ihr:

Klick zum Vergrößern
Frau Krenkel

 

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